Gedanken zur Ausstellung: Weihnachtsforum der Kunstfreunde Waldenbuch und Steinenbronn am 7.12.2017

Liebe Kunstfreunde und Kunstinteressierte, auch ich begrüße Sie zu dieser Ausstellungseröffnung recht herzlich. Als ich Herrn Dr. Schneider spontan zugesagt habe, ein paar passende Worte heute zu sagen, war mir nicht bewusst, dass 17 Künstler/Hobbykünstler diesmal teilnehmen. Mich freut besonders, dass diesmal auch eine Reihe von ganz jungen und jungen Leuten dabei ist. Aber 17, das heißt, wollte man zu jedem einzelnen und seinen Werken etwas sagen, dann würden wir in zwei Stunden noch hier stehen. Deshalb reifte schnell der Entschluss ein paar allgemeine, übergeordnete Ausführungen, zu machen.

Es ist Winter, es ist die Weihnachtszeit, es ist Zeit für Märchen.

Es war einmal:

Also, es war einmal, dass in dem kleinen Ort Hoosik Falls im tiefen Nordamerika ein kunstsinniger Ingenieur und Kunstsammler, sein Name war Louis Caldor, durch die Straßen schlenderte und sein Blick zufällig auf eine Reihe von Bildern fiel. Diese waren im Schaufenster eines Krämerladens ausgestellt. Die Bilder gefielen ihm und er kaufte einige davon für 2-3 $ das Stück. Dies geschah im Jahre 1938.

Zeitsprung:

Auf einer kleinen Farm in der Nähe dieses Ortes lebte seit vielen Jahren eine Frau an der Seite Ihres Mannes, der ein Farmer war. Dort zog sie die 5 Kinder auf, die von den 10 geborenen überlebt hatten. Sie half fleißig, die Felder zu bestellen und die Tiere zu versorgen. Jede Woche wurde eine Kanne Milch zum örtlichen Kolonialwarenhändler gebracht, um ein paar Dollar zu verdienen. Im hohen Alter als sie bereits die 70 überschritten hatte wurde die Frau von Krankheiten geplagt, so dass sie nicht mehr schwer arbeiten konnte. Ihre Schwester empfahl ihr, doch zum Zeitvertreib den Pinsel in die Hand zu nehmen und mit dem Malen zu beginnen. Diesem Rat folgte die alte Frau und malte Bild für Bild aus ihrem Leben. Sie kannte nicht viel von der Welt, daher malte sie Motive aus ihrer Umgebung – Bilder vom Farmleben, typische Neu England-Landschaften, Feste auf der Farm usw., usw. Und sie malte diese Motive so wie sie sie sah und wie ihre Malkünste es zuließen. Man nennt diese Malweise auch „Primitiven Realismus“. Und als die rechte Hand auf Grund der sich verschlimmernder Arthritis nicht mehr gehorchen wollte, wechselte sie über auf die linke Hand. Der Name der alten Dame war Anna Moses. Sie war begeistert von dieser neuen Tätigkeit und schuf ca. 1.500 Bilder in über 20 Jahren. Von ihrem 78. Geburtstag an bis zu ihrem letzten Atemzug.

Zeitsprung:

Der Sammler Louis Caldor war aber so begeistert von der Art und der Qualität von Moses‘ Malerei, dass er ihre Arbeiten in New York bei Galeristen und in Ausstellungen publik machte. Und so begann die große Karriere von Anna Moses, die man fortan „Grandma Moses“ nannte. Mit diesem Namen ging sie in die Kunstgeschichte ein und wurde letztendlich weltberühmt. Es folgten viele große Ausstellungen im In- und Ausland. Die Preise Ihrer Bilder stiegen und stiegen – heute sind sie nur noch selten im Handel und wenn, dann sind sie kaum noch zu bezahlen. Ein letzter Verkauf wurde 2006 bekannt als das Bild „The Sugaring Off“ für 1.2 Millionen Dollar über die Theke ging. Ihre Berühmtheit war zum Ende ihres Lebens so groß, dass sie es ins „Museum of Modern Arts“, auf das Cover der New York Times und auf eine USA-weite Briefmarke schaffte. Darüber hinaus wurden ihre Bilder millionenfach gedruckt, als Bilder, auf Grußkarten, auf Porzellan usw. Sie wurde wohlhabend. Nach ungezählten Auszeichnungen und Ehrungen konnte sich „Grandma Moses“ im Jahr 1961 zufrieden im gesegneten Alter von 101 Jahren ins Grab legen.

Zeitsprung:

Diese rührselige Weihnachtsgeschichte führt uns im Rahmen der heutigen Ausstellung zu der Frage: „Können Autodidakten“ gute oder gar erfolgreiche Künstler sein? Die Definition lautet zunächst so, dass ein Autodidakt ein Mensch ist, der sich seine künstlerischen Fähigkeiten selbst angeeignet hat, also kein Kunststudium an einer Universität absolviert hat.

Um die Frage mit ja zu beantworten zu können, muss man nur in die lange Liste weltbekannter Künstler schauen, die diesem Kriterium unterliegen. Hier finden wir Namen wie:

  • Carl Spitzweg

  • Adolph von Menzel

  • Paul Cezanne

  • Paul Gaugin

  • Vincent van Gogh

  • Max Ernst

  • Ernst Ludwig Kirchner

  • Andy Warhol u.v.a.m.

Solche außergewöhnlichen Menschen sind gekennzeichnet durch

  • Talent

  • Fleiß und Zähigkeit, Durchhaltewillen, ja manchmal auch sogar Verrücktheit

  • Zusätzlich sind sie gekennzeichnet durch einen Stil, den sie geprägt haben, eine Variante, die sie entwickelt haben oder Masche, die ihnen zugeflogen ist

    • So entwickelte sich Adolf von Menzel zum bedeutendsten deutschen Realisten des 19. Jahrhunderts – als den Maler Preußens. Und hier erinnern wir uns besonders an Bilder wie „Im Eisenwalzwerk“ und Flötenkonzert Friedrichs des Großen in Sanssouci

    • Paul Gaugin war Bankkaufmann, trennte sich von diesem Beruf und schuf auf Thaiti und den Markesas Inseln Bilder mit ganz neuen Inhalten und in ganz eigenem Stil

    • So wurde Andy Warhol der bedeutendste Vertreter der amerikanischen Pop Art, heute auch jedem nicht Kunstinteressierten bekannt. Er war gelernter Werbegrafiker. Ein Beruf, der natürlich schon nahe bei der Kunst angesiedelt ist.

  • Und oft spielt auch das Glück eine ganz große Rolle – erinnern wir uns an Louis Caldor, der rein zufällig auf die Bilder von Grandma Moses stieß. Adolf von Menzel fand früh den Verleger, Auftraggeber und Förderer Louis Friedrich Sachse.

Zeitsprung zu dieser Ausstellung

Als Grandma Moses gefragt wurde warum sie denn male, gab sie die simple Antwort: „Ich habe nur gemalt, um meine Zeit zu verbringen“. Der große Erfolg war von ihr nicht beabsichtigt und überhaupt nicht gewollt. Der Rummel um sie herum war für sie eher störend, nach Geld hat sie nie gefragt.

Die Antwort von Grandma Moses führt uns heute und hier zu der Frage, wollen die Künstler dieser Ausstellung überhaupt den großen Erfolg? Wenn er denn einträte, würde man ihn wahrscheinlich dankbar annehmen. Aber wenn er sich nicht einstellte, wäre es auch recht.

Erinnern wir uns an den alten Spruch: Kunst entsteht um der Kunst willen (L’art pour L’art). Kunst entsteht ohne Hintergedanken. Mit dieser Einstellung geht es nicht unbedingt um Ruhm, Geld und große Ausstellungen. Sondern es geht um etwas schwer zu Definierendes. Die berühmte Aktionskünstlerin Maria Abramovic hat es einmal so ausgedrückt: „Es ist egal, was du als Künstler tust, wichtig ist der Bewusstseinszustand, indem du es tust“.

Mit diesem Satz sind wir bei den wichtigen Eigenschaften, bei dem geheimen Reiz des Schaffensprozesses in der Kunst

  • Der Schaffensprozess führt zu innerer Ruhe, man vergisst Zeit und Raum und ist ganz bei sich

  • Es entwickelt sich eine positive Anspannung im Prozess der kreativen Stimmung, in der Psychologie sagt man „man gerät in einen Flow“ und

  • Der Prozess endet in einer wohltuenden Erschöpfung und freudigen Zufriedenheit über das „gelungene Werk“. Wobei das Attribut „gelungene Werk“ in Anführungszeichen zu setzen ist

Der Autodidakt vollzieht eine Art Selbsttherapie, ohne sich dessen unbedingt bewusst zu sein. In der Zeit großer Unruhe in Politik, Beruf und sogar im Rentnerleben bedürfen wir solcher Phasen der Entspannung und Selbstfindung.

Sie holen uns herunter auf eine Gemütsebene, die unserer gesamten Verfassung gut tut.

Ich glaube, dass alle, die hier ausstellen meinen Ausführungen folgen und zustimmen können und in diesem Sinne mit Freude am Weihnachtsforum teilnehmen.

Wir Betrachter und Kunstinteressierte danken ihnen dafür, weil wir ein wenig teilhaben können, an all dem, was ich geschildert habe. Wir erfreuen uns an den gelungenen Arbeiten - und vielleicht - beneiden wir euch im Stillen auch ein wenig.

Und doch auch: Manchmal liebe Künstler, aber leider ganz, ganz, ganz selten werden Märchen wahr. Dann kommt ein Louis Caldor vorbei, sieht eure Bilder, kauft gleich einen ganzen Stapel davon und dann und dann und dann…. Das alles überlasse ich Ihrer Fantasie, ihren Wünschen und ihren Hoffnungen.

Die Ausstellung ist hiermit eröffnet

 

* SUGARING OFF Tradition und Genuss: Sugaring Off

Das „sugaring off“, wie das Einkochen des Ahornsaftes von den Bewohnern der größten kanadischen Provinz genannt wird, ist eine der schönsten Aktivitäten in der schönsten Zeit des Jahres. Nach einem wie immer lange, kalten Winter und meterhohen Schneedecken auf Waldboden und Straßen, erwacht nicht nur die Natur zu neuem Leben. Fast jeder Einwohner Québecs hat einen Verwandten oder Bekannten, der in den Wäldern eine kleine „Sucerie“ betreibt. Dort trifft man sich zumindest für ein verlängertes Wochenende, verbringt viel Zeit mit Familie und Freunden und hilft natürlich mit beim Sammeln und Einkochen des beliebten Saftes. Während sich die Frauen ganz traditionell um Küche und Kinder kümmern, stapfen die Männer von Baum zu Baum, um den begehrten Saft in großen Eimern zu sammeln. Und bald ertönt von überall her der alte Ruf: „Der Saft läuft.“


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 

 

 

 

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