Wilhelm Lehmbruck in der Staatsgalerie

 

Am Samstag, dem 12. Januar 19 besuchten die Kunstfreunde mit 2 Gruppen die aktuelle Ausstellung „Variation und Vollendung, die Bedeutung der Linie“ des bedeutendsten deutschen Bildhauers des Expressionismus, Wilhelm Lehmbruck.

Wenn man im Internet nach diesem Künstler sucht, findet man in zahlreichen internationalen Museen  die „gleichen“ Werke dieses Künstlers in verschiedenen Materialien. Das liegt daran, dass Lehmbruck bis auf eine Auftragsarbeit, eine überlebensgroße Statue in Marmor, als Plastiker gearbeitet hat. So sind auch in der Staatsgalerie Werke in den Materialien Steinguss (eine Art Zement), Gips und Bronzeguss zu bewundern. Neben vollständigen Statuen, wie z. B. die wunderschöne „Große Sinnende“, sind Büsten und Torsen dieser und anderer Werke zusammengestellt. Es ist verblüffend, wie verschieden dieselben Plastiken in den unterschiedlichen Materialien wirken! Selbst die Größe scheint sich zu verändern. Lehmbrucks Plastiken wurden fast alle erst „post mortem“ in Bronze gegossen und zwar fast ausschließlich als Auftragsarbeiten, was zum Teil mit dem hohen Preis eines solchen Gusses zusammenhängt. Die matten Oberflächen der Steingussfiguren oder Gipsfiguren, wie die „Große Sinnende“, die durch zarte graue Einfärbung zuerst für einen Steinguss gehalten wurde, passen viel besser zu dem expressiven Schaffen des Künstlers, und man vermutet, dass er selbst auch bewusst diese Materialien bevorzugt hat.

Die Werke Lehmbrucks zeigen zum Teil den starken Einfluss Auguste Rodins, dessen Arbeiten er 1904 auf einer internationalen Kunstausstellung in Düsseldorf kennenlernte. Die „Große Sinnende“ mit ihrem langen, gebogenen Hals, dem zu klein proportionierten Kopf, den nur durch Schatten entstehenden „leeren“ Augen erinnert an den Künstler Amadeo Modigliani.

Ein Steinguss, der international besonders bekannt und berührend ist, befindet sich weit entfernt von der übrigen Skulpturensammlung in einem Raum, wo auch die graphischen Arbeiten des Künstlers ausgestellt werden. Es handelt sich um die Plastik „Der Gestürzte“. Nach dem ersten Weltkrieg nahm Lehmbruck an einem Wettbewerb für ein Kriegerdenkmal teil. Aber statt einem heroischen Helden gestaltete er einen auf allen Vieren kriechenden nackten Jüngling mit zerbrochenem Schwert. Damit war er „aus dem Rennen“. Dieser Steinguss stellte sich leider als ein eigentlich illegaler Abguss heraus, denn er entstand wahrscheinlich erst 1953. Die recht geschäftstüchtige Witwe des so früh verstorbenen Künstlers scheute sich nicht, auch lange nach dem Tode weitere Abgüsse machen zulassen. Es wurden sogar von fertigen Plastiken noch einmal Gussformen gefertigt und nicht mit dem Gussdatum versehen. Das ist der Grund, weshalb es so zahlreiche Werke von Wilhelm Lehmbruck existieren.

Die beeindruckende, mit viel Sachverstand und Einfühlungsvermögen zusammengestellte Ausstellung der Staatsgalerie wurde uns wie immer von zwei sehr kompetenten Kunsthistorikern nahegebracht.

P.S.

 

 

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